Für Lubbab brachte der Knall und Fall der gesprengten Grenz-Befestigung zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten das Ende des bitteren Wartens und der Anfang eines neuen Lebens. Seit zwei Jahren hat der 34jährige seine angehimmelte Heba nicht mehr gesehen – sie lebt auf der ägyptischen Seite der Grenzstadt Rafah, er im Gaza-Streifen.
Das war gestern. Heute planen sie ihre Hochzeit. „Jetzt wird nicht mehr gewartet“, jubelt Lubbab, hilft seiner künftigen Frau durch die Trümmer der weggesprengten Grenz-Mauer. Heba bringt zwei Koffer voller Kleider mit – das muss reichen für das neue (Ehe-) Leben.
Hochzeiten wurden in den letzten Monaten in Gaza verschoben, weil keine adäquate Hochzeitsnacht absehbar war. Nicht etwa Mama und Papa standen dem im Weg – es gab schlicht keine Matratzen! Seit der israelischen Blockade des Gaza-Streifens vom Juni gibt’s keine Schaumstoff-Matratzen mehr zu kaufen; ich wett’, ich hett äs weichers Bett, gilt im Gaza-Streifen nicht. Und von Gesundheits-Matratzen redet schon gar niemand. Wie man sich bettet, so liegt man, das gilt im Gaza-Streifen nicht.
Osama aus Gaza schleppt ganz schön schwer, aber es lohnt sich für den 25jährigen. Nächste Woche wird auch er seine 17jährige Verlobte Nuha heiraten können. Denn in Ägypten holen sie sich jetzt, was sie für ihren neuen Haushalt brauchen und in Gaza nicht besorgen konnten: Osama kauft endlich eine Matratze, Nuha ihre Küchenausstattung.
Ihre Mutter ist sehr glücklich: „Meine Tochter kann ein neues leben beginnen und eine Familie gründen“, sagt Mama Buthaina mit Tränen in den Augen.
Die Liebe lässt sich nicht einmauern.
Kommentare
Suzy:
Lieber André Marty
Bin eben erst auf Ihre Seite gestossen. Ihre Berichterstattung im TV verpasse ich nach Möglichkeit nie. Ihre Menschlichkeit aber auch Ihr fundiertes Wissen dieser speziellen Region geben immer wieder Anlass zu langen Diskussionen in unserer Familie. Bleiben Sie dran - und ich bleib auf Ihrer Homepage und warte gespannt auf Ihre Berichte.
warum gibt es eigentlich eine mauer zwischen ägypten und dem gaza-streifen? ich dachte, die mauer sei eine sache der israelis... himmel... ist wohl peinlich solches zu fragen. würde mich aber doch interessieren, mehr darüber zu erfahren. (von dir!)
Philadelphi – Corridor meint die 14 Kilometer lange Grenzzone zwischen dem Gaza-Streifen und Ägypten. Im September 2005 zog Israel seine Truppen aus dieser Pufferzone zurück, die EU übernahm auf Drängen der USA, aber ohne Begeisterung Israels die Kontrolle des Grenzübergangs in Rafah. Soweit die Theorie. In der Praxis stand dort eine von Israel errichtete Grenzmauer resp. ein Metallzaun - bis gestern früh. Was früher durch Tunnels in den Gaza-Streifen geschmuggelt worden war, wurde jetzt während zweier Tage über die weggesprengte Grenzanlage hinwegtransportiert. Affaire a suivre.
Bin eben erst auf Ihre Seite gestossen. Ihre Berichterstattung im TV verpasse ich nach Möglichkeit nie. Ihre Menschlichkeit aber auch Ihr fundiertes Wissen dieser speziellen Region geben immer wieder Anlass zu langen Diskussionen in unserer Familie. Bleiben Sie dran - und ich bleib auf Ihrer Homepage und warte gespannt auf Ihre Berichte.
Donnerstag, 24. Januar 2008 um 10:09 >> antworten
Donnerstag, 24. Januar 2008 um 11:45 >> antworten
Donnerstag, 24. Januar 2008 um 14:23 >> antworten