Die Missionare
Besuch bei zwei Mannen, die ausgezogen sind aus der Schweiz, um die arabische Welt zu erobern.
Der eine macht’s wenn möglich im schwarzen Gewand. Der andere macht’s mit Geld und Geist.
![]()
Paul Hinder, Weih-Bischof von Arabien. Im Thurgau aufgewachsen, ist er der Oberhirte von rund zwei Millionen Katholiken im arabischen Raum. Von Abu Dhabi aus versucht der Weihbischof die christliche Gemeinde mit religiöser und manchmal auch materieller Hilfe zu unterstützen. Hinder spricht besonnen, zu heikel die Situation der kleinen christlichen Minderheit in der arabischen Welt - aber er spricht nicht nur mit dem Herrn, der ihn hierher geschickt hat. Ein Vielflieger Gottes, der es in die "Senator-Class" einer Schweizer Airline schafft, so häufig fliegt er im Namen der Kirche, so gross ist das flächenmässig grösste Bistum der Welt. Der Manager im Namen des Herrn in der muslimischen Welt ist also ein vielbeschäftigter Mann.
Michael Schindhelm, oberster Kulturbeauftragter von Dubai. In Basel einst Theaterintendant, versucht er heute, in der Finanzmetropole ein Kulturkonzept von kolossalen Dimensionen umzusetzen.
Schindhelm sitzt in einem der unzähligen Türme des Emirats, soll mit Inhalt füllen, was seiner Hoheit Scheich Mohammed bin Raschid al Maktum, dem Ruler von Dubai, unter Kultur vorschwebt: ein Opernhaus auf einer extra aufzuschüttenden künstlichen Insel, zehn Museen, 14 Theater, elf Galerien, neun Bibliotheken und 72 kulturelle Wahrzeichen. Das tönt wie’s immer tönt im Emirat: höher, schneller, eindrücklicher; protzen, was das Öl hergibt, sozusagen. Doch Schindhelm denkt in anderen Kategorien. Von einem „gesellschaftlichen Experiment, das auch schief gehen kann“ spricht er, von einer aus dem Wüstensand gestampften Mega-Stadt, in der vor zehn Jahren noch 150 000 Menschen lebten und im Jahr 2011 bereits drei Millionen Personen arbeiten und wohnen dürften.
Dubai ist eine der grössten Baustellen der Welt; gesellschaftlich besehen ein eigentliches Versuchslabor, in dem Menschen aus 160 Nationen meist nebeneinander und eher selten miteinander arbeiten. Darin gilt „Kultur als strategische Überlegung“, da zu einer Metropole auch ein Opernhaus und andere kulturelle Aktivitäten gehörten. So wird hier gedacht.
Mit dem Begriff „Kulturimport“ mag Schindhelm nichts anfangen. Die lokale Geschichte werde mitberücksichtigt werden und es werde einen Wandel hin zur Öffnung geben, sagt Schindhelm. Ob Künstler sich einst frei ausdrücken können, die Ruler-Familien am Golf tatsächliche Freiheiten, und eben nicht primär ökonomisches „everything goes“ – Regeln – aufstellen: wir werden’s sehen. Kunst-Manager wie Schindhelm werden dann längst weitergezogen sein.
Der Bischof von Arabien wird etwas länger bleiben. Der 65jährige Paul Hinder wird bist zu seiner Pensionierung in zehn Jahren in Abu Dhabi stationiert blieben – eine Ewigkeit am Golf. Und die Zeit läuft nicht zugunsten der Christen im arabischen Raum. In verschiedenen arabischen Ländern reisen Priester ohne erkennbare christliche Zeichen ein, geschweige denn mit dem Bischofs-Talar. Selbst im relativ liberalen Emirat Abu Dhabi reist der Bischof in zivil, hält Messen in privaten Häusern. Bibeln verteilen ist schlicht kein Thema In Saudi-Arabien ist noch weit grössere Zurückhaltung und Diskretion erforderlich, sonst kann möglicherweise selbst der ganz grosse Chef nicht mehr helfen.. „Die religiöse Freiheit hier ist sicherlich nicht vergleichbar mit westlichen Standards.“
Am Bischofssitz fällt als erstes ein prunkvoller, prächtiger religiöser Bau auf: Die grösste Moschee Abu Dhabis wurde keine fünf Meter neben Bischof Hinders Sitz gebaut...
Märchen aus 2001er Nacht sind rar. Vor allem in der arabischen Welt.


Der Bischof von Arabien - in der katholischen Kirche in Doha umringt von Würdenträgern Er reist in zivil, um nicht aufzufallen. Er predigt in Garagen, um nicht zu provozieren. Er ist der Weihbischof von Arabien, um sich
Aufgenommen: Feb 23, 22:56
Der Bischof von Arabien - in der katholischen Kirche in Doha umringt von Würdenträgern Er reist in zivil, um nicht aufzufallen. Er predigt in Garagen, um nicht zu provozieren. Er ist der Weihbischof von Arabien, um sich
Aufgenommen: Feb 23, 22:57